Erste Nachbetrachtung des Auswärtsspiels in Duisburg

Liebe Fortuna Fans,

wiedermal haben wir das Straßenbahnderby hinter uns gebracht. Auf das Spiel möchten wir an dieser Stelle lieber nicht eingehen. Jedoch möchten wir uns kurz zu den Ereignissen, die sich beim Einlass abspielten, zu Wort melden, da die bisherigen Presseberichte leider nur die Pressemeldung der Polizei wiedergeben.

1. Der Fanmarsch vom S-Bahnhof Duisburg-Schlenk ist keinesfalls gezielt so spät losgegangen, vielmehr sorgte ein technischer Defekt einer S-Bahn dafür, das ein Großteil der Fans erst sehr spät am S-Bahnhof ankam.
2. Wer tausende Fans kurz vor dem Stadion stoppt, mit einem Wasserwerfer vorfährt und den durch Hamburger Gitter verengten Weg dann auch noch mit einer behelmten Hundertschaft verschließt, provoziert eine Eskalation.
3. Tore zu schließen, die nach außen aufgehen und somit im Fall eines wirklichen Ansturms nicht mehr zu öffnen wären, ist unverantwortlich und widerspricht jeglicher Logik.

Fazit: Das Einsatzkonzept der Duisburger Sicherheitsbehörden ist, wie bereits in den letzten Jahren, gescheitert. Tausende Fortuna Fans konnten gestern nicht von Beginn an im Stadion sein um ihrer Mannschaft die nötige Unterstützung zu bieten. Es gab zahlreiche verletzte Fans durch massiven Einsatz von Schlagstock und Pfefferspray seitens der Polizei.

Wir wünschen allen verletzten Fortuna Fans gute Genesung und fordern eine Aufarbeitung der Geschehnisse. Die Eskalation am gestrigen Tage ging von der Polizei aus! An dieser Stelle möchten wir auch auf die Bitte der Fanbetreuung hinweisen, eure Erlebnisse des gestrigen Tages dem Verein zu schildern.

Dissidenti Ultra

Alle in rot nach Duisburg!

Kramt eure verstaubten Trikots aus dem Kleiderschrank, oder zieht euch einfach ein rotes Shirt über!
Auf 3 Punkte im Klassenkampf.

Vorwärts Fortuna – Avanti Ultras!

Soli-Party

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Obwohl das Spiel unserer Fortuna gegen den FC Sankt Pauli noch nicht terminiert ist, wissen wir um die Feierwütigkeit unserer Freund*innen aus dem Norden, die an diesem Wochenende wieder den weiten Weg zu uns ins Düsseltal in Kauf nehmen werden.
Nicht nur aus diesem Grund lassen wir uns nicht lumpen, eine Party im Linken Zentrum / Hinterhof zu veranstalten. Alle Menschen, die mit uns feiern und tanzen möchten, sind natürlich herzlich eingeladen!

Der eigentliche Grund unseres Zusammenkommens ist weniger erfreulich: Einige sehen sich in Zukunft mit Prozesskosten konfrontiert, auf die wir uns vorbereiten müssen. Deshalb wird es einen Stand mit Soli-Cocktails geben. Der Eintritt ist frei, aber wir freuen uns über Spenden. Jede Hilfe zählt!

Acht Cola Acht Bier!

 

23.04.2016, ab 23:00 Uhr
Linkes Zentrum Düsseldorf
Trash / Tekknogeballer
mit: Factum & Dion
Altbier vom Fass

Stellungnahme der FSE zur Disziplinarpolitik der UEFA bei rassistischem oder anderweitig diskriminierendem Verhalten von Fußballfans

 

Gemeinsam mit allen Unterzeichner*innen unterstützt Dissidenti Ultra uneingeschränkt die folgende Stellungnahme des Komitees von Football Fans Europe (FSE):

 

Sehr geehrte Mitglieder des UEFA-Exekutivkomitees,

aus ganz Europa richten wir uns Sie an, um unsere große Besorgnis auszudrücken. Wir rufen Sie als UEFA hiermit auf, ihre Disziplinarpolitik bei rassistischem oder anderweitig diskriminierendem Verhalten von Fußballfans zu überdenken. 

Betont werden muss vorab, dass die Unterzeichner dieses offenen Briefes ausdrücklich die “Null-Toleranz-Politik” der UEFA in Bezug auf Rassismus begrüßen. Die unterzeichnenden Fangruppen und die UEFA sind geeint in der Überzeugung, dass gegenseitiger Respekt ein integraler Bestandteil der Kernwerte in unserem Sport darstellt. Und das sollte für alle Akteure auf und neben dem Spielfeld gelten.

Die Bestrafung einer überwältigenden Mehrheit der Fußballfans wegen verabscheuungswürdiger Handlungen einer Minderheit durch Standardsanktionen wie “Spiele hinter verschlossenen Türen” für Vorfälle rassistisch motivierten Verhaltens von Fans veranschaulichen jedoch ein großes Maß an Respektlosigkeit gegenüber allen Fußballfans, die durch solch drastische Maßnahmen unschuldig betroffen werden. 

Besonders die Auswärtsfans, die nichts falsch gemacht haben und alle ihre Reisen gebucht haben, sind diejenigen, die den höchsten Preis zahlen, wenn von der UEFA eine Sanktion gegen einen anderen Verein für das Verhalten einer anderen Fangruppe gegenüber allen verhängt wird.Die Sanktionierung von respektlosem und inakzeptablem Verhalten einer in der Regel kleinen Gruppe durch Respektlosigkeit gegenüber der gesamten Zuschauerschaft gefährdet die Glaubwürdigkeit der UEFA in ihrem Engagement gegen Rassismus. Die größte und umfangreichste Gruppe potenzieller Verbündeter der UEFA im Kampf gegen Diskriminierung im Fußball, die Fußballfans als die so oft zitierte “Seele des Fußballs”, werden abgewertet und darauf reduziert, einzig die Ursache eines Problems zu sein.

Vor diesem Hintergrund bitten wir Sie, die entsprechenden Vorschriften zu ändern – hin zu einem System, das glaubwürdig und nachhaltig hilft, Diskriminierung unter Wahrung der Interessen der Fans als wichtige Beteiligte zu minimieren. Wir sollten alle konstruktives Fanverhalten im Fußball fördern – und nicht das positive Engagement der Fans schwächen während die Entwicklung von destruktivem Verhalten, das durch das aktuelle System ausgelöst und durch offizielle Vorfallzahlen unterstrichen wird, noch unterstützen.

Auf dem Europäischen Fußball-Fan-Kongress von Football Supporters Europe (FSE) 2015 in Belfast, zeigten Fußballfans mit vielen konkreten Beispielen, dass das derzeitige System der kollektiven Sanktionen nicht nur zur Bestrafung vor allem unschuldiger Fans führt. Das gewünschte Ziel der nachhaltigen Bekämpfung von Rassismus und die Clubs zu nachhaltigerem Handeln, idealerweise mit Unterstützung ihrer Fans, zu zwingen, wird NICHT ERREICHT .

Besonders jene “üblichen Verdächtigen” unter den Clubs, für die die Regelungen in erster Linie verschärft wurden, haben drei Hauptreaktionsformen entwickelt:

  1. Sie beschuldigen den Boten (der den Vorfall meldende Anti-Rassismus-Beobachter oder bereits aktiv im Stadion gegen Rassismus engagierte Fangruppen) oder die UEFA, und initiieren eine öffentliche Hexenjagd gegen ihn, während sie das eigentliche Problem nicht akzeptieren.
    —> Das bestärkt rassistische Täter, die sich nur zu gerne der Hexenjagd anschließen.
  2. Viele Vereine haben versucht, geheime Abkommen mit dem jeweiligen (rassistischen) Teil ihrer Fanszene zu treffen. Auf europäischer Ebene werden „die Füße stillgehalten“, während die Vereine die Privilegien in den Liga-Wettbewerben für die Täter erhöhen.
    —> Das stärkt die rassistischen Täter und bringt sie näher an den Verein, während andere Fans weiter marginalisiert werden.
  3. Vereine siedelten die Fans in andere Teile des Stadions um, ordneten einige Alibi-Aktivitäten gegen Rassismus an, aber priesen diese in der Öffentlichkeit als von der Fanszene initiiert.
    —> Währenddessen sind die Rassisten immer noch innerhalb des Stadions und agieren weiter mit rassistischen Handlungen, lediglich in einem anderen Stadionbereich.
    —> Nicht-rassistische / antirassistische Fans fühlen sich nicht sicher oder ermutigt, eigene Aktivitäten zu initiieren. 

Was eben nicht passiert ist, sind glaubwürdige und langfristige Aktionspläne gegen Rassismus, die von den Vereinen implementiert wurden. Das würde allerdings die Mehrheit der Nicht-Rassisten und den fortschrittlichen Teil der Fanszene darin bestärken, dass sie nicht abgelehnt werden, sondern sogar dazu führen, dass sie nur zu gern die Unterstützung im Kampf gegen Diskriminierung aufnehmen würden. Stattdessen werden sie jedoch immer wieder gemeinsam mit den rassistischen Tätern bestraft, während der mögliche Fall, dass sie vielleicht sogar Opfer dieser waren, ignoriert wird und sie weiter auch von diesen Leuten eingeschüchtert werden.

Was nun seitdem passiert ist, ist, dass Vereine sich erhoben haben und begannen glaubwürdige und langfristige Aktionspläne gegen Rassismus zu implementieren. Das würde die Mehrheit der Nicht-Rassisten und den fortschrittlichen Teil der Fanszene bestärken, dass sie nicht abgelehnt würden, sondern sogar gerne den Kampf gegen Diskriminierung unterstützen und aufnehmen würden. Stattdessen werden sie immer wieder gemeinsam mit den rassistischen Tätern bestraft, während die Möglichkeit, dass sie vielleicht sogar Opfer waren, ignoriert wird und sie weiter auch von diesen Leuten eingeschüchtert werden. 

Als Folge haben viele Fußballfanorganisationen die Kampagne “Respect Fans!“ ins Leben gerufen, die von zahlreichen Fan-Gruppen aus verschieden, in europäischen Wettbewerben spielenden Vereinen unterstützt wird. Aktuell unterstützen nicht-rassistische / antirassistische Fangruppen von etwa 20 Clubs aus sieben europäischen Ländern die Initiative. Die europäische Fußballfan-Dachorganisation Football Supporters Europe (FSE), offiziell von der UEFA als Gesprächspartner für Fanthematiken anerkannt, hat bereits mehrere Gespräche mit Vertretern der UEFA geführt und Alternativen oder ergänzende Elemente zum derzeitigen System unterbreitet. Diese basieren auf der Grundlage von Best-Practice-Beispielen und wissenschaftlichen Erkenntnissen aus ganz Europa.

Bisher war die UEFA nicht bereit, den vorgenannten Argumenten zuzuhören und stimmte lediglich zu, im Sinne der Gleichberechtigung auch Sponsoren und deren Gästen den Besuch der Geisterspiele zu verweigern, … allerdings erst nach mehreren Jahren und nachdem die entsprechenden Verträge verlängert wurden.

Wir sind der Auffassung, dass die soziale Verantwortung des Fußballs, mehr noch, die der Führungsgremien des Fußballs in diesem wichtigen Bereich weit über den Versuch hinaus gehen müsste, künstlich akzeptable oder oberflächliche Bilder für TV und die breite Öffentlichkeit zu produzieren, sondern einen nachhaltigen Beitrag zur ernsthaften Beseitigung des Problems von Diskriminierung im Fußball direkt auf Clubebene zu fördern.

Unsere Erfahrungen aus verschiedenen Ländern veranschaulichen in der Praxis, dass eine nachhaltige Verbesserung des Fanverhaltens nur in enger Zusammenarbeit mit den Fans erreicht werden kann. Das derzeitige System wurde entwickelt, um im Kampf gegen Rassismus anzutreten. Es wird jedoch mehr und mehr als ein Kampf gegen alle Fußballfans gesehen. 

Die Unterzeichner dieses Briefes sind Gruppen und nationale Fan-Dachorganisationen, die die Ablehnung von Rassismus und Diskriminierung teilen und die UEFA in diesem Sinne einladen wollen, die Bekämpfung von Diskriminierung und anderen Formen inakzeptablen Verhaltens aufzunehmen. Wir appellieren an die UEFA, ihre Politik der Kollektivbestrafung zu überprüfen, insbesondere unverzüglich die schreiende Ungerechtigkeit der Ausgrenzung von Auswärts-Fans zu beenden, die nichts mit dem Vorfall zu tun hatten. 

Als nächster Schritt sollten in enger Abstimmung mit den Fans wirksame Strategien entwickelt werden, die Rassismus nicht nur aus Bildern oder TV-Aufnahmen aus den Stadien bei europäischen Spielen verbannen, sondern auch einen positiven Wandel in den Köpfen der Menschen bewirken können.

Wir freuen uns, von Ihnen zu hören

Die Mitglieder des Komitees von Football Supporters Europe (FSE)

Die Respect-Fans! Campaigning Gruppen 

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Free Valentin!

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Solitransparent zum Prozessauftakt gegen Valentin.

Seit gut 8 Monaten unter widrigsten Umständen in Untersuchungshaft sitzend, begann am 28.01 am Bremer Jugendschöffengericht der Prozess gegen ihn und zwei mitangeklagte antifaschistische Ultras.

Wir fordern ein Ende der Repression gegen alle, die sich Nazis und Rassist*innen aktiv entgegenstellen, ob im Stadion, oder auf der Straße.

Freiheit für Valentin und alle weiteren polischen Gefangenen!